SENSORISCHE INTEGRATION

Geschichte

Die Behandlung der sensorischen Integrationsstörung gibt es seit ca. 20 Jahren in Deutschland. Jean Ayres, eine amerikanische Ergotherapeutin und Psychologin, entwickelte diese Therapieform. J. Ayres und ihre MitarbeiterInnen haben hauptsächlich in der Forschung sowie der Therapie mit Kindergarten- und Schulkindern gearbeitet. In der Arbeit mit Kindern sowie ihrer Forschungstätigkeit widmete sie sich der Verbindung von Wahrnehmungsstörungen und den sich daraus entwickelnden Lern-, Leistungs- und Verhaltensstörungen.

Sensorische Integration ist Teil der normalen Frühentwicklung. Sie umfasst unbewusste Prozesse des Ordnens, Verknüpfens, Deutens, Speicherns und Verwertens von Sinnesempfindungen der Nah- und Fernsinne.

Nahsinne (Basissinne)

Fernsinne

  • Sehen
  • Hören
  • Schmecken
  • Riechen

Sensorische Integration beginnt bereits im Mutterleib und entwickelt sich im frühen Kindesalter besonders rasch. Das ist von großer Bedeutung, da in dieser Zeit die Grundstrukturen für alle weiteren Vernetzungen der Sinnessysteme gelegt werden. Dieser Prozess setzt sich mit abnehmender Tendenz lebenslang fort. Die Vernetzung der Sinneseindrücke, die über die Nah- und Fernsinne aufgenommen werden, bilden die Basis für den Erwerb von Bewegung, Handlungsfähigkeit, Sprache, Interaktion und die Fähigkeit zu abstraktem Denken.

Sensorische Integration bedeutet, aus vielen sensorischen Informationen ein ganzheitliches Bild zu erstellen, um sich optimal, sinnvoll und variationsreich mit seiner Umgebung auseinandersetzen zu können und dabei Befriedigung zu erfahren. Die integrierten Inhalte sind die Summe aller Sinneseindrücke, die uns ein jederzeit verfügbares Selbstbild sowie ein Bild unserer Umwelterfahrungen zur Verfügung stellen.

Die Sensorische Integration ist die Grundlage, um höhere Leistungen entwickeln zu können (z.B. Sprache, Lesen, Schreiben, Rechnen, Aufmerksamkeit, emotionale Balance).

Die Sinnessysteme arbeiten automatisch und unbewusst - ohne Anstrengung. Unser Körperbild entwickelt sich primär aus den drei Basis-Sinnen und vermittelt jedem Individuum das Gefühl dafür, wer und wo es ist.

Behandlung

Die Therapie nutzt die Plastizität des Nervensystems und den inneren Antrieb des Kindes. Entsprechend dem Befund werden dem Kind sensorische Angebote gemacht, die im Rahmen seines Leistungsniveaus eine Herausforderung darstellen, motorische Aktivitäten zu entwickeln. Diese haben immer einen inneren Bezug für das Kind und sind handlungsorientiert. Die Angebote werden in Art und Dosierung ständig kontrolliert und der Reaktion des Kindes angepasst. Hierbei werden zuerst vorwiegend die propriozeptiv-taktil-vestibulären Sinnessysteme angesprochen. Der Therapeut nutzt hierbei sein spezielles Wissen über die Wirkung der Sinne aufeinander.

Ein wichtiger Bereich des Konzeptes der SI ist die Information der Bezugspersonen und der Lehrer zum Umgang mit diesen Problemen und die Erarbeitung konkreter Hilfestellungen zur Gestaltung des Umfelds.

Ziele der SI-Therapie sind die Verbesserung der Neuralintegration und Selbstorganisation. Selbstwertgefühl, Bewegungsfreude, Erkundungsdrang und Leistungsantrieb des Kindes sollen gestärkt werden, so dass es nachfolgende Entwicklungsschritte selbständig meistern kann.

Für welches Alter ist die SI-Therapie geeignet?

Je jünger der Mensch ist, desto plastischer und formbarer ist sein Nervensystem. Deshalb ist dieses Therapiekonzept in den ersten Lebensjahren besonders effektiv. Je länger die Störungen unbehandelt bleiben, desto eher werden sie möglicherweise von Vermeidungen, Kompensationen und Verhaltensproblemen überlagert. Das erschwert die Diagnostik und kann den therapeutischen Prozess verlängern. Doch auch Jugendliche und Erwachsene können erfolgreich bei sensorisch-integrativen Dysfunktionen behandelt werden.

Indikationen zur Sensorischen Integrationstherapie

  • Entwicklungsprobleme
  • Störungen der Grob- und Feinmotorik
  • Koordinationsstörungen
  • Wahrnehmungsstörungen
  • Ess- Trink-oder Schlafprobleme
  • niedriger oder erhöhter Bewegungsdrang
  • Ungeschicklichkeit
  • Verzögerung der sprachlichen Entwicklung

Verhaltensprobleme (s. Verhaltenstherapie)

  • Aggressives Verhalten
  • Regression
  • Mangelnde Umstellungsfähigkeit
  • Antriebsstörungen
  • Anpassungsschwierigkeiten

Leistungsprobleme

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