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Wahrnehmen und Wahrnehmung (Perzeption) ist eine allgemeine und umfassende
Bezeichnung für den Prozess des Informationsgewinnes aus der Umwelt-
und Körperreizen (äußere und innere Wahrnehmung) einschließlich
der damit verbundenen emotionalen Prozesse und der durch Erfahrung und Denken
erfolgenden Modifikationen.
J. Drever- W.D. Fröhlich- Wörterbuch der Psychologie
Es ist nichts im Intellekt, was nicht vorher in den Sinnen war.
Maria Montessori
Menschliche Wahrnehmung ist nicht nur selektiv, sondern auch ergänzend
- das Ergebnis meiner Wahrnehmung ist ein Produkt aus dem, was 'da' ist und
dem Reim, den ich mir darauf mache.
F. Schulz von Thun im Buch Miteinander Reden 1 (1981)

Wahrnehmen ist Handeln.
H. von Foerster im Buch Wissen und Gewissen (1993)
Je lebhafter eine Wahrnehmung ist, desto eher bin ich geneigt, das Wahrgenommene
für real zu halten.
G. Roth- Das Gehirn und seine Wirklichkeit (1994)
Wahrnehmung ist ein aktiver Prozess der Interaktion zwischen dem einzelnen Menschen und seiner Umwelt, um Informationen und Bedeutungen zu erzeugen. Wahrnehmen geschieht durch die Sinne:
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• Tiefensensibilität/ Propriozeption
• Haut/ taktil
• Gleichgewicht/ vestibulär
• Schmecken - süß- sauer, salzig- bitter
• Sehen - Hell- Dunkel, Farben- Formen
• Hören - Klang, Tonhöhen, Lautstärke
• Riechen - ganzheitliches Erleben (z.b. als Tannenduft)
Wahrnehmung ist ein dauernder Prozess, der dem Menschen Orientierung und Auskunft über seine Umwelt und sich selbst gibt. Noch vor der Geburt werden Informationen überwiegend aus den Basissinnen erfahren und gespeichert. Im ersten Lebensjahr werden durch die verschiedenen Entwicklungsphasen (stabile Bauch- Rücken- Seitlage, Rollen, Robben, Krabbeln, Sitzen, Stehen) unendlich viele Informationen des Körpers und der Umwelt erfahren. Diese Informationen werden verknüpft, sowie in Bewegungs- und Handlungsketten gespeichert. Es entsteht die Grundlage für höhere kognitive Funktionen (Sprache, Aufmerksamkeit, soziales Verhalten, Lesen, Schreiben, Rechnen ect.). Diesen Vorgang: sinnliche Wahrnehmungen zu sortieren (wichtig- unwichtig)- zu verbinden (versch. Reize zu einem Bild)- vergleichen (Gedächtnisinhalte)- und eine sinnvolle Bewegung- Handlung- Verhaltenantwort zu reproduzieren, dieser Vorgang wird als sensorische Integration bezeichnet.

Funktioniert die Zusammenarbeit dieser Sinne nicht, dann wird die Interaktion
zwischen dem Menschen und seinem Körper, sowie der Umwelt gestört.
Der Körper und die Umwelt werden lückenhaft- verzerrt und undeutlich
wahrgenommen. Daraus können sich individuelle Probleme ergeben, so das
es zu unverständlichem- unangepasstem Bewegungsverhalten, Lernverhalten oder Sozialverhalten führt.
Wahrnehmungsstörungen prägen das Kind dauerhaft und beeinflussen
seine gesamte Entwicklung. Die Folgen einer Wahrnehmungsstörung können
sich wie folgt darstellen:
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• Störungen des Körperschemas
• Störungen des Körper- im- Raum Schemas (Orientierung)
• Koordinationsstörungen
• Entwicklungsstörungen
• Störungen vom Muskeltonus und dessen Regulation
• Störungen der Grob- und Feinmotorik
• unangepasstes Bewegungsverhalten
• Sprachstörungen
• Störungen der Bewegungs- Handlungsplanung (Dyspraxie)
• Lese- Rechtschreibschwäche
• Rechenschwäche (Dyskalkulie)
• Teilleistungsstörungen
• Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
• Gedächtnisstörungen
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•Verhaltensstörungen
• Selbstwertprobleme
• Lernblockaden
• Schulunlust
• unangepasstes Sozialverhalten
• Ängste
Kinder mit einer Wahrnehmungsstörung sollten frühestmöglich gezielt und individuell gefördert werden.
Nicht jede dieser genannten Störungen lässt sich auf eine Wahrnehmungsstörung
zurückführen. Deshalb wird in der Ergotherapie durch gezielte diagnostische
Mittel überprüft, ob und in welchem Ausmaß die einzelnen
Entwicklungsfaktoren zusammenspielen. Dabei wird das Kind ganzheitlich anhand
seiner Fähigkeiten und Schwierigkeiten und aufgrund seines Entwicklungsalters
beurteilt. Sowie im Kontext zwischen Familie, Kiga- Schule und Umfeld gesehen.

